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Neuhaus am Inn - eine Burg zum Schutz der Brücke nach Schärding

 

Teil 1

Gründung der Burg Neuhaus zum Schutze der Stadt Schärding
Die Geschichte von Neuhaus am Inn beginnt im Jahr 1320 mit der Gründung einer Burg. In diesem Jahr ließ Herzog Heinrich XV. von Bayern (1312-1333) die Burg Neuhaus auf einer durch einen breiten Graben vom Ufer getrennten Felseninsel, die von den Fluten des Inn umspült wird, als festes Vorwerk zur Stadt Schärding errichten. Diese Befestigungsanlage sollte die Brücke über den Inn nach Schärding sichern, deren wirtschaftlicher Reichtum auf der Innschifffahrt, dem Salzhandel und der Tuch- und Leinenerzeugung basierte. Wegen der Bedeutung als Übergang über den Inn hatte Schärding bereits im Jahr 1310 eine auf elf steinernen Pfeilern ruhende Innbrücke erhalten, deren gemauerte Fundamente heute noch die sog. Alte Brücke tragen. Seit der landrechtlichen Trennung Österreichs von Bayern im Jahr 1156 wurde nämlich der Inn bzw. das Vorland bis zum Hausruckkamm zu einer wichtigen Grenz- und Verteidigungslinie für Bayern. Zudem war die Grafschaft Neuburg mit den Burgen Neuburg und Wernstein, die beiderseits des Inn nur wenige Kilometer stromabwärts wie ein Riegel vor der Bischofsstadt Passau lag, seit dem Jahre 1310 endgültig an Österreich gefallen. Aus diesen Gründen begannen die bayerischen Herzöge in den Jahren 1429-1437 die Stadt Schärding, die im Jahr 1248 in ihren Besitz gelangt war, zu einer Festungsstadt auszubauen. Keimzelle war die bereits aus dem 11. Jahrhundert stammende Burg, die auf dem neben dem Innufer aufragenden Granitfelsen erbaut worden war. Im Schutze dieser Burg entstand in mehreren Erweiterungsschritten eine Stadtanlage. Eine Zeichnung von Johann Lamprecht (1816-1895) gibt einen Eindruck von dieser gewaltigen Festungsstadt. Ein wichtiger Teil dieser Befestigungsanlage war die Burg Neuhaus auf der gegenüberliegenden Innseite.

Burg und Hofmark Neuhaus
Grundwort des Burgnamens Neuhaus ist das mittelhochdeutsche Wort hûs (Haus, festes Haus, Schloss). In mittelalterlichen Urkunden (Bayerisches Hauptstaatsarchiv Urk. Fürstenzell Nr. 195, Passau St. Nikola Nr. 142, Tattenbach Nr. 206) finden sich Belege für den Namen Neuhaus:1324…von dem nevn Haus, 1326…datz dem Nevnhaus bei Scherding und 1534..zum Neuhaus. Wegen der großen strategischen Bedeutung überließen die bayerischen Herzöge die Burg Neuhaus nur Pflegern, die ihr besonderes Vertrauen genossen. Neuhaus war eine geschlossene Hofmark, so dass auch die in der Hofmark ansässigen Untertanen fremder Gerichtsherren dem Hofmarksherrn unterstanden. Er konnte unabhängig vom Landesherrn Recht sprechen und Hand- und Spanndienste einfordern. So wurde die Burg als Grundherrschaft mit dem Recht der niederen Gerichtsbarkeit an verschiedene Adelige verliehen. Die Rechtsgrundlage dafür war die Ottonische Handfeste von 1311, in der die niederbayerischen Stände (Adel und Geistlichkeit) dem Herzog Otto III. (1261-1312) eine einmalige Steuer bewilligten, dafür aber gegen käuflichen Erwerb die niedere Gerechtigkeit für ihre Besitzungen erhielten. Der Herrensitz des Grundherrn in einer Hofmark wird im bairischen Sprachraum als Hofmarkschloss bezeichnet.

Die älteste Abbildung der Burg Neuhaus
Wie die Burg Neuhaus, die Innbrücke und die befestigte Stadt Schärding um das Jahr 1600 aussahen, darüber kann man sich im Antiquarium der Münchener Residenz ein Bild machen, das von Herzog Wilhelm V. in den Jahren 1586-1600 zu einem Festsaal umgestaltet worden war. Maler wurden ausgeschickt, um vor Ort die wichtigsten Städte, Märkte und Burgen zu porträtieren. Nach diesen Vorlagen malte der Münchener Maler Hans Donauer der Ältere (um 1521-1596) die Ansichten von 102 Orten in den Stichkappen und in der Leibung der Fenster. Dass auch Schärding mit der Burg Neuhaus abgebildet ist, zeigt die Bedeutung dieser Stadt, die im Jahr 1316 von den bayrischen Herzögen als Bannstadt mit eigener Gerichtsbarkeit ausgestattet worden war. 1866 erteilte der Historische Verein von Oberbayern dem Maler Carl August Lebschée (1800-1877) den Auftrag, diese topgrafischen Ansichten zu kopieren. Der Kupferstecher Michael Wening (1645-1718) fertigte in den Jahren 1701-1726 für sein vierbändiges Werk ("Historico-topographica descriptio Bavariae") der Beschreibung des bayerischen Kurfürstentums 846 topografische Stiche von Städten, Märkten, Klöstern, Schlössern, Burgen und Herrenhäusern an, darunter auch das Wasserschloss Neuhaus. An diesem Stich ist das mit Blickrichtung zur Innbrücke gelegene Herrenhaus mit zwei markanten aus den Eckmauern herauswachsenden Rondellerkern zu erkennen, in welchem man zu freierem Umblick sitzen konnte. Sie erstrecken sich über zwei Stockwerke und sind von steilen Turmspitzen bekrönt. Dem Herrenhaus schließt sich ein Innenhof an. Überragt wird das Gebäudeensemble von einem hohen Turm. Die Brücke zum Schloss ruht auf drei Pfeilern und führt durch ein Tor ebenfalls in einen Innenhof. Zudem sind auf der Brückenseite noch drei Abtritterker zu sehen. Als am Fronleichnamstag des Jahres 1724 ein Brand am Schärdinger Stadtplatz ausbrach, trieb ein scharfer Ostwind die Flammen zum Inn, so dass sowohl die Burg in Schärding als auch die Burg in Neuhaus ausbrannten. Die Burg in Schärding wurde nicht mehr aufgebaut und ist heute Schlosspark. Die Neuhauser Wehranlage wurde von Graf Ferdinand von der Wahl zu Aurolzmünster, seit 1737 Besitzer der Burg und der Hofmark, von 1750 bis 1752 durch Johann Michael Fischer (1692-1766) in einen spätbarocken Herrschaftsbau umgewandelt und dient heute als Realschule.

Führungen am Tag des Offenen Denkmals am 8. September 2019 von 13 bis 17 Uhr