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Die Klosterbibliothek des ehemaligen Zisterzienserklosters Aldersbach

 

Antike Wissenschaften und Künste - Teil 1

Klöster waren Zentren des Wissens, der Bildung und der schriftlichen Überlieferung. Das Lesen von Büchern hatte in Leben eines Mönches einen hohen Stellenwert: Ein Kloster ohne Bibliothek ist wie eine Burg ohne Waffenkammer.
Die barocke Bibliothek des Zisterzienserklosters Aldersbach wurde unter Abt Theobald I. Grad (1705-1734) angelegt. Die Fresken stammen jedoch aus der Jahr 1760, als Theobald II. Reitwinkler (1745-1779) Abt war. Der kunstsinnige Prälat, der die Taube in seinem Wappen führte und der in „Philosophisch-Theologischer Wissenschaft rühmlichst versiret“ war, gab dem damals 55 jährigen Augsburger Freskenmaler Matthäus Günther (1705-1788) den Auftrag dazu. Matthäus Günther war zwischen 1723 und 1727 Geselle bei Cosmas Damian Asam und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten und fruchtbarsten Freskanten des süddeutschen Rokokos. Sein Aldersbacher Deckenfresko besticht durch seine Freude an Licht und Farbigkeit.
Unter Abt Theobald II. erreichte die die Bibliothek einen Umfang von 30 000 Bänden, darunter eine große Sammlung theologischer Dissertationen und juristische Arbeiten. Der heutige Bibliothekssaal ist seiner Bücher und seines Schrankwerks beraubt. Hier wurden bis zur Säkularisation wertvolle Schriftwerke nicht nur aufbewahrt, mehr noch, hier wurde dem Kulturschatz Buch eine besonders Bühne gegeben und durch ein ausgefeiltes theologisches Bildprogramm noch erhöht.
Der Besucher nähert sich der Bibliothek durch den Gang auf der Nordseite. Das Bodenniveau liegt höher, so dass der Besucher gleichsam in eine höhere Welt steigt. Wenn man den Saal betritt, wird man vom Licht der Sonne, das durch die fünf hohen zweigeschossigen Fenster scheint, geblendet und man sieht die Fresken im südlichen Mittelfeld im Gegenlicht. Die Malereien im Deckenspiegel stehen gar auf dem Kopf. Der Saal ist mit einer Spiegeldecke überwölbt.
Gemalte Scheinarchitekturen gliedern die Fläche in vier Seitenfelder um ein ovales Mittelfeld.
Das architektonische Gerüst erweckt den Eindruck eines Baldachins und bringt die einzelnen Bildfelder in ein logisch aufeinander bezogenes System.
Wenn man die einzelnen Bildfelder Fresken betrachtet, dann befindet sich wie bei allen barocken Fresken die hierarchisch höchste Figur am höchsten Bildort, d.h. im Zentrum der Spiegeldecke: Die Dreifaltigkeit in der Mitte, Die Heilige Dreifaltigkeit als Sitz der Weisheit - Das ist die Botschaft des Deckengemäldes. Das Bildprogramm im Fresko von Matthäus Günther hat als Aussage: Alles Wissen, das der Mensch erlangt, führt ihn letztlich zur Dreifaltigkeit Gottes, Allmacht der Weisheit und der Erkenntnis.
n den Diagonalen darunter sehen wir die vier Evangelisten und in den vier Feldern die Verkörperungen der geistlichen und weltlichen Wissenschaften.
Südwand: Die Naturwissenschaften und mit ihren christlichen Vertretern
Westwand: Die theologischen Wissenschaften mit Repräsentanten aus dem Hoch- und Spätmittelalter
Nordwand: Die Mystik, die von der Dreifaltigkeit besonders begünstigt ist und die alle verstandesmäßig angegangene Wissenschaft an wahrer Erkenntnis übertrifft. Wichtiger als alles Wissen ist der Glaube.
Ostwand: Antike Wissenschaften und Künste
Die gemalte Steinbalustrade führt von den Seiten her zur Bildmitte hin. Im Hintergrund erhebt sich der Musenberg Parnaß, zu dessen Spitze in Stein gehauene Stufen hochführen.
Im mittleren Teil im Zentrum des Bildes sieht man Pallas Athene, die Göttin der Weisheit und Beschützerin der Künste und Wissenschaften, wie sie auf den Stufen den Musenberg hinaufschreitet. Auf der Spitze des Berges werden sie von Apoll erwartet. Apoll, der Gott der Künste insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs, ist mit Lorbeer bekränzt und hat die Leier mit einem Sonnenemblem im Arm. Athene hat Brustpanzer, Helm und Schild, den zwei Putten vorausgetragen. Athene führt mit der linken Hand eine Figur die Stufen hinauf, die ein Buch unter dem Arm trägt, die Philosophie. Einen sehr beschwerlichen und steinigen Berg hinaufsteigen gehört seit Boethius zur Philosophie. Mit der rechten Hand deutet Athene auf eine Figur zu ihrer Rechten. Diese Figur hält in der Rechten eine lodernde Fackel und auf dem Haupt entspringen Feuerflammen. Mit dem Zeigefinger der linken Hand deutet sie auf die Treppe, die nach oben führt. Die Flammen sind Zeichen für eine besondere Geistesgabe oder Begnadung, für Inspiration. Deutung: Die vornehmste der Wissenschaften wird erst zusammen mit dem Verstand vollkommen. Nur mit Hilfe des Verstandes könne man die Stufen der Philosophie allmählich erklimmen.
Die letzten Stufen des Pfades werden immer schmäler und steiler, immer beschwerlicher. Auf der Spitze des Berges thront Apoll. Genau über der letzten Stufe hält er den Lorbeerkranz. Wenn die Philosophie oben am Berg angekommen ist, wird sie von Apoll den Lorbeerkranz als Lohn ihrer Mühen erhalten.
Deutung: Heidnischer Philosophie wird weltlicher Lorbeer zuteil, weltliche Unsterblichkeit. Der Lohn der christlichen Philosophen und Theologen auf der anderen Seite sind Gnadenstrahlen, Erleuchtung, gar Erkenntnis.
Auf dem Gipfel bäumt sich der geflügelte Pegasus auf. Der von ihm aus dem Felsen geschlagene Quell Hippukrene fließt rechts bergabwärts und dient den unten versammelten Künsten und Wissenschaften zur Inspiration.
Die wichtigste der Wissenschaften ist die Philosophie, die Mutter aller freien Künste. Vor dem Musenberg befinden sich die Allegorien der sieben freien Künste (septem artes liberales).
Architektur: Grundrißplan, Senkblei in der rechten Hand, Zirkel
Musik: Sie spielt mit der Laute
Astronomie: Mit Sternenkrone auf dem Haupt, Fernrohr, Zirkel, Globus
Geografie (links neben der Astronomie): Die Astronomie unterhält sich mit der Geografie, die als Attribute Globus und Zirkel hat und ein Buch in der rechten Hand hält.
Die bildenden Künste Malerei und Bildhauerei sind im Gespräch miteinander.
Malerei: Pinsel und Palette
Bildhauerei: mit einer skulpierten Büste. Dazu gehört auch ein Putto, der auf den großen Steinblock mit Hammer und Klöpfel die Signatur des Malers einschlägt.
Mathematik/Arithmetik: Tafel mit Zahlenreihe
Geometrie: Winkeldreiecke.
Optik: Die darüber befindliche Gruppe ist mit einer Laterna Magica beschäftigt.
Eine Wissenschaft wird im östlichen Fresko besonders betont: Astronomie: Rechts im Hintergrund sehen wir den astronomischen Turm mit einer Figurengruppe oben. Hinter einem großen Globus und einem aufgehängten Fernrohr stehen drei Männer. Der Vorderste mit Bart, Turban und Toga hält einen Zirkel in der Hand. Auf die Mechanik weist der neben dem Globus befindliche Flaschenzug hin, mit dem eine Kiste nach oben gezogen wird.
Mit diesem „Fatto“ Geschichtchen soll auf die Verdienste des Altertums um die Astronomie hingewiesen werden.
Die Betonung der Astronomie erklärt sich damit, dass Abt Bartholomäus Mädauer (1552-1577) besonders die Astronomie und Mathematik gepflegt hat. Eine von ihm entworfene Sonnenbecheruhr ist noch erhalten und befindet sich im Britischen Museum in London.
Die antiken Künste gedeihen unter dem Schutze heidnischer Götter.