Der Landschaftspark von Schloss Vornbach

Ein bedeutendes Zeugnis der Gartenkultur im 19. Jahrhundert Wie aus einem Benediktinerkloster ein Schloss wurde – Teil 3

Im Eingangsbereich des Vornbacher Schlossparks befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an Baron Emil von Schaetzler und an den Gartenarchitekten Carl von Effner, das mit einer bemerkenswerten Inschrift geziert ist: „Der Charakter eines Menschen offenbart sich in der Liebe zur Natur und ihrer Pflege.“ Dieses Monument hat Baron Paul von Schaetzler (1866-1938) für seinen Vater Emil im Jahr 1912 aufstellen lassen, um ein sichtbares Andenken an ihn als naturverbundenen Menschen zu bewahren. Es wird aber mit Carl von Effner eines Mannes gedacht, der einer der bedeutendsten Gartenarchitekten im 19. Jahrhundert war.  

Denn nachdem Baron Emil von Schaetzler (1831-1899) im Jahr 1857 das ehemalige Benedikinerkloster Vornbach samt Brauerei und Ländereien erworben hatte, setzte er schon zwei Jahre später seinen Plan um, Vornbach in ein Gartenschloss umzuwandeln. Er hatte nämlich von seinem Vater, dem Textilunternehmer Ferdinand Benedikt Freiherr von Schaetzler (1795-1856), ein beträchtliches Vermögen geerbt.

Schaetzler besaß Vornbach als Fideikommissbesitz, wonach durch diese Stiftung das Vermögen der Familie auf ewig ungeteilt und schuldenfrei erhalten bleiben musste, was ein Privileg des Adels war (lat. „Fidei commissum“ „zu treuen Händen belassen“). Schaetzler standen als Inhaber Erträge aus dem Grundbesitz, der Brauerei und auch aus dem Gestüt zur Verfügung, wo er Halb-und Vollblutpferde züchtete.

Um in Vornbach den Charme des ländlichen Wohnens abseits der städtischen Metropolen zu erleben, sollte das malerisch am Inn gelegene ehemalige Benediktinerkloster als Landsitz mit einem Park dazu die passende Kulisse bilden, ein der realen Welt enthobener paradiesischer Ort, der dem Wunschbild der ländlichen Idylle Ausdruck verleihen sollte. Den Auftrag zur Neugestaltung des Gartens erhielt im Jahr 1859 der damals 28 jährige Carl von Effner (1831-1884), der später Hofgartendirektor König Ludwigs II. wurde. Der nun geschaffene Landschaftspark Effners stand in bewusstem Kontrast zu dem einstmaligen Barockgarten des Klosters, der die Natur in geometrisch exakte Formen gezwungen hatte.

So besitzt diese romantische Gartenanlage sanft geschwungene Wege, wolkenartig ausgebildete Gehölzgruppen und einen Schwanenteich. Der von einem Stern bekrönte Monopterus, ein offener antiker runder Musentempel mit sechs Säulen, ein seit der Barockzeit beliebtes Baumotiv, erheischt in dieser einzigartigen Grünanlage seine besondere Aufmerksamkeit.  Dazu kommen eine Klause und eine Grotte als inszenierte und kontemplative Rückzugszonen. Die zu Wolken geschlossenen Gehölzgruppen verdichten sich entlang der Wege und der Wegekreuzungen. In den Parkrandbereichen bilden Baumgruppen die Parkgrenze. Sie lösen sich „hainartig“ auf und lassen zwischen den raumbildenden Waldinseln Platz für unterschiedlich große Wiesenflächen. Auch zum Inn hin finden sich offene Wiesenareale, damit der Blick auf das fließende Gewässer nicht verstellt ist. Unterschiedlich große Grasflächen, Bäume mit auffallender Blattfärbung von lichtgrün bis dunkelstes Schwarzgrün, die mit schattenverträglichen Sträuchern unterpflanzt sind, und besonders auch die spiegelnden Wasserflächen des Parkweihers verbinden sich zu einer Komposition aus sanften Farben und Sonnenlicht. Effners Absicht war, ein begehbares Landschaftsgemälde mit unterschiedlichen Blickpunkten zu schaffen und die Gartenräume so zu modellieren, dass der Besucher den Park nicht auf einen Blick erfassen konnte. Er sollte beim Durchwandern immer aufs Neue überrascht werden, ein Bild sollte sich hinter das nächste Bild schieben, immer wieder sollten neue Ansichten und Szenerien den Weg durch den Park zu einem Erlebnis werden lassen.

Um vom Schloss her die Verbindung zum Garten herzustellen, ließ Schaetzler Aussichtsplätze zum Garten und Inn hin schaffen. So wurden die im Erdgeschoss liegenden Raumfolgen um eine wettergeschützte Veranda erweitert, dort wo West- und Südflügel zusammentreffen. Einen Blick von oben erlaubte der von einem kunstvoll geschmiedeten Geländer eingefasste Balkon darüber, der auf drei dorischen Granitsäulen ruht, und über das Kaminzimmer zu erreichen war. Das Kaminzimmer gehörte zur Beletage ( ital. piano nobile), der repräsentativen Raumfolge im Stile des Historismus im Obergeschoss.  Auch vom Garten her gesehen ist die gesamte begrünte Westfassade mit Erker, Terrasse und Balkon ein Blickfang. Sie wirkt mit ihrem an Drahtspalieren emporrankenden Blauregen wie ein vertikaler Garten. Von Balkon und Terrasse konnte Schaetzler den Landschaftsgarten mit den Sichtachsen zu den markanten Blickpunkten hin beschaulich genießen. Dazu kam, dass sich sein Auge kaum satt sehen konnte, wenn er auf die bezaubernde Flusslandschaft am unteren Inn blickte und sich der Blick bei föhnigem Wetter sogar zu den Plateaus der Alpen weitete.